OSZ gegen Rechts endet im April 2012 – Unterstützungsschreiben für Fortsetzung
Berliner Retter/in gesucht! Das Berliner Projekt „OSZ-gegen-rechts“ braucht Kontinuität und finanzielle Absicherung!
Die aktuellen Ereignisse und Enthüllungen über rechtsextremistisches und rechtspopulistisches Gedankengut und die damit verbundenen Gewalttaten in den letzten Jahren in Deutschland verbieten die Situation in der Berliner beruflichen Bildung zu dramatisieren.
Zugleich gibt es berechtigten Anlass zur Sorge. Damit verbinden wir die dringende Bitte um Unterstützung für das Berliner Projekt „OSZ-gegen-rechts“, dessen Förderung im April 2012 endet, aber aus unserer Sicht unentbehrlich ist. Es ist mit seiner Zielgruppe der jungen Erwachsenen in der beruflichen Bildung einmalig in der Bildungslandschaft in Berlin und Brandenburg.
Wir stehen in unserem pädagogischen Alltag vor großen Aufgaben, wie die aktuellen Ergebnisse der Heitmeyer-Studie „Deutsche Zustände 2011“ bestätigen:
- Im Schulalltag ist das Miteinander sozial, „migrantisch“ oder kulturell unterschiedlich geprägter Schülergruppen an unseren Schulen weitgehend von Toleranz und Akzeptanz geprägt. Ohne zielgerichtetes Engagement vieler Lehrer/innen, Pädagogen/innen und den Schülern/innen sowie z.T. auch der Schülervertretungen wäre dies nicht möglich.
- Bezogen auf die Lösung gesellschaftlicher Probleme (Arbeitslosigkeit, Sozialversicherung, Armut, Demokratie etc.) sind dagegen fremdenfeindliche, alltagsrassistische und diskriminierende Einstellungen oft quer durch alle Bildungsgänge weit verbreitet.
- Perspektivlosigkeit, das fehlende oder eingeschränkte Vertrauen in die Institutionen des Staats sowie in die eigenen politischen Gestaltungsmöglichkeiten der Zukunft führen bei Einzelnen immer wieder zu einer latenten Gewaltbereitschaft oder -akzeptanz zur Lösung gesellschaftlicher Probleme.
- Rechtsextreme und –populistische Positionen und Parteien finden unter den jungen Erwachsenen auch in Berlin verhältnismäßig hohe Zustimmung.
- Die Stärkung von Zivilcourage und Erfahrung der Selbstwirksamkeit von Schülern/innen kann über die eigene Mitgestaltung z.B. von Schülerprojekten besonders wirksam gefördert werden.
Daher sehen wir die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Diskriminierung und Demo-kratie ablehnenden Haltungen unter jungen Erwachsenen nach wie vor als eine der dringendsten gesellschaftlichen Herausforderungen innerhalb der Berliner beruflichen Schulen an.
Um in unseren Einrichtungen erfolgreich präventiv zu wirken und entschieden dagegen auftreten zu können, benötigen wir die fachliche Unterstützung und Expertise. Die Komplexität der Aufgabenstellungen, die begrenzten zeitlichen Ressourcen der Schulen und die oft höhere Akzeptanz externer Experten bei den Schülern/innen sind strukturelle Gründe, warum wir als OSZ auch langfristig auf Unterstützung von außen angewiesen sind.
Die Mitarbeiter/innen und Angebote von „OSZ-gegen-rechts“ bieten das fachliche und pädago-gische Knowhow für die schwierige Auseinandersetzung der Schüler/innen und Auszubildenden mit diesen Themen. Für Berliner Berufsschulen existiert derzeit kein Angebot mit vergleichbarer Erfahrung und Expertise, das unsere Einrichtungen in diesem Umfang berät und unterstützen kann. Die Zusammenarbeit ermutigt und motiviert uns immer wieder, in unseren Bemühungen nicht nachzulassen.
In den vergangenen sechs Jahren haben wir – einzelne oder mehrere - der folgenden Angebote des Berliner Projekts „OSZ-gegen-rechts“ für unsere Schulentwicklung genutzt und/oder wollen diese in Zukunft nutzen:
- die Konzeption und Durchführung von Schülerprojekttagen zur Prävention von Rechtsextremismus und Diskriminierungen;
- die Fortbildungen zu Themen wie „Argumente gegen rechte Parolen“, „Rechtsextreme Symbole und Erscheinungsformen“ und gegen „Homophobie“;
- die Beratung und Begleitung unserer Schulen auf dem Weg zu einer „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“;
- die Begleitung und Unterstützung der Schülervertretungen und damit der demokratischen Schulentwicklung;
- die Beratung und Begleitung bei der Einführung von Antidiskriminierungsparagrafen in unsere Hausordnungen;
- das Audit für Wertschätzung und Anerkennung als eine neue Methode für eine demokratische Schulentwicklung.
Wir stimmen Wolfgang Thierse zu, wenn er von der Gesellschaft eine „kontinuierliche Aufmerksamkeit“ für die Entwicklung rechtsaußen und die Zunahme von Rassismus, Antisemitismus und Minderheitenfeindlichkeit“ einfordert (Berliner Zeitung 13.12.11).
Die Einrichtungen der beruflichen Bildung brauchen ein entsprechend abgesichertes Unterstützungssystem gegen Rechtsextremismus und Diskriminierungen und für eine demokratische Schulentwicklung. Für uns und unserer Engagement ist das Projekt „OSZ-gegen-rechts“ deshalb unentbehrlich.
Wir bitten Sie daher eindringlich Wege zu finden, dass dieses Projekt ein ausfinanziertes Regelangebot für die Einrichtungen der beruflichen Bildung in Berlin wird.
Unterstützerunterschrift
| Name | Einrichtung/Funktion | |
| 1. | Nicola Groth | Carl-Legien-Schule/ Schulleiterin |
| 2. | Herbert Hannebaum | Vorsitzender der Abteilung Berufsbildende Schulen in der GEW BERLIN |
| 3. | Gabriele Albrecht | OSZ Bürowirtschaft I/ Fachbereichsleiterin Sozialkunde |
| 4. | Cajus Mahlke | OSZ Bürowirtschaft I |
| 5. | Uwe Neumann | OSZ Bürowirtschaft I |
| 6. | Marianne Meyer | OSZ Bürowirtschaft I/ Lehrerin |
| 7. | Ronald Rahmig | OSZ Kfz-Technik/ Schulleiter |
| 8. | Vera Jaspers | OSZ Lotis/ kom. Schulleiterin |
| 9. | Barbara Auth | OSZ Lotis/ Abteilungsleiterin |
| 10. | Michael Boger | Georg Schlesinger Schule/ OSZ MFT/ kom. Fachbereichsleiter Sozialkunde |
| 11. | Reinhard Gubi | Wilhelm-Ostwald-Schule/ OSZ Farbtechnik/ Schulleiter |
| 12. | Ute Laß | OSZ Handel I |
| 13. | Andrea Kruschke | OSZ Lotis/ Abteilungsleiterin |
| 14. | Andreas Teuscher | August-Sander-Schule/ Lehrer |
| 15. | Eric Uhlemann | Wilhelm-Ostwald-Schule/ OSZ Farbtechnik/ Fachleiter Sozialkunde |
| 16. | Jörg Zimmermann | OSZ Lotis/ Fachleiter Sozialkunde |
| 17. | Susanne Reckwell | OSZ Lotis/ Schulsozialarbeiterin |
Das Berliner Projekt „OSZ-gegen-rechts“
Skizze und aktuelle Situation
Seit dem Dezember 2005 arbeitet das Projekt „Osz-gegen-rechts“ gegen Rechtsextremismus und Diskriminierungen und für eine demokratische Schulentwicklung mit Einrichtungen der beruflichen Bildung in Berlin zusammen. Das Projekt hat dabei zwei wesentliche Bereiche der beruflichen Bildung in Berlin im Blick: die 35 Berliner Oberstufenzentren (OSZ) und 18 Berufsschulen, die von ca. 90.000 Schüler/innen besucht werden, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von freien Trägern, die überbetriebliche Ausbildungen für ca. 20.000 Jugendliche in der beruflichen Bildung anbieten.
„Osz-gegen-rechts.de“ arbeitet an sechs Schwerpunkt - Oberstufenzentren und Berufsschulen, bietet Fortbildungen für alle Pädagogen und Pädagoginnen in der beruflichen Bildung Berlins an, unterstützt Schülerinnen und Schüler die sich in der Schülervertretung oder für „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ engagieren und entwickelt Handreichungen und Argumentationshilfen, die auf der Website „Osz-gegen-rechts.de“ veröffentlicht werden. Es handelt sich um ein wichtiges Unterstützungssystem gegen Rechtsextremismus und Diskriminierungen und für eine demokratische Schulentwicklung.
Seit dem Mai 2009 wird das Angebot aus dem Bundesprogramm „Xenos – Integration und Vielfalt“ finanziert. Hinzu kommen Mittel aus dem Berliner Landesprogramm gegen Rechtsextremismus und aus einer Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin. Im April 2012 endet nun die Förderung aus dem Bundesprogramm und die Arbeit des Projektes endet damit. Die Berliner beruflichen Schulen würden so ein etabliertes Unterstützungssystem verlieren.
Prävention von Rechtsextremismus und Diskriminierungen in der beruflichen Bildung 2011/2012
Schwerpunkt: Argumente gegen Rechtspopulistische Kampagnen
Fortbildung und Beratung: Wir kommen in Ihr OSZ oder in Ihre Einrichtung!
Informieren, Argumentieren, Handeln
Fortbildungen für Lehrer/innen, Pädagog/innen und Ausbilder/innen
Seminare für Schüler/innen und Auszubildende
Unterstützung für Schülervertreter/innen
Aktionen und Veranstaltungen an OSZ und an Einrichtungen der beruflichen Bildung
Argumente und Materialien gegen rechtsextreme und diskriminierende Parolen
Fortbildungen
Wir kommen in Ihr OSZ oder in Ihre Einrichtung! Die Veranstaltungen finden in Ihren Räumen statt.
Folgende Veranstaltungen können sowohl von Lehrer/innen- und Pädagog/innenteams als auch von Schülervertretungen und Jugendauszubildendenvertretungen kostenfrei gebucht werden.
Teilnehmer/innen: mindestens 8 Personen.
Termine: werden mit den Dozent/innen abgestimmt.
Anmeldung:
RAA Berlin
Michael Hammerbacher
Chausseestraße 29
10115 Berlin
Tel: 030 / 24 045 - 240
Fax: 030 / 24 045 - 509
Mail: michael.hammerbacher@raa-berlin.de
Oder online hier auf der Webseite.
Recht gegen Rechts/ Hausordnungen gegen Diskriminierungen und Rechtsextremismus
Wer im Umgang mit Jugendlichen mit rechtsextremen Äußerungen konfrontiert wird, reagiert vielfach tief verunsichert. Es tauchen Fragen auf wie: Was darf ich machen? Was muss ich machen? Und ist, was juristisch geboten ist, auch pädagogisch sinnvoll? Im Workshop werden Antworten auf solche Fragen zusammen mit den Teilnehmer/innen erarbeitet. Ausgangspunkt des Workshops ist die juristische Basisinformation: Verfassung und Grundrechte, Strafgesetzbuch, Jugendschutzgesetz, Indizierungsverfahren, Schulrecht
Anhand von aktuellen Fallbeispielen und Materialien wird den Teilnehmern/innen die Möglichkeit geboten, gemeinsam mit dem Referenten Methoden zu entwickeln, die die Handlungsspielräume des Gesetzgebers nutzen und die pädagogisch sinnvoll sind.
Der beschäftigt sich auf Wunsch auch mit der Umsetzung und Verankerung von Hausordnungen gegen Diskriminierungen und Rechtsextremismus im Schulalltag. Bei Bedarf werden gemeinsam schulspezifische Lösungsvorschläge erarbeitet.
Dauer: 3 - 6 Stunden Referenten: Jan Buschbom, Michael Hammerbacher
Argumentationstraining gegen rechtsextreme, rassistische und rechtspopulistische Parolen
Das Argumentationstraining bietet Anregungen für den souveränen Umgang mit alltäglichen diskriminierenden Äußerungen und Verhaltensweisen. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen werden rassistische, rechtspopulistische und rechtsextreme Äußerungen entkräftet und Hilfen zum Argumentieren und Eingreifen gegeben: Wann ist es sinnvoll zu argumentieren? Wann nicht? Wann setze ich klare Grenzen oder positioniere mich im Sinne eines menschenrechts-orientierten Standpunkts? Wen will ich mit meiner Intervention erreichen?
Je nach Situation werden Handlungsmöglichkeiten und Selbstbehauptungsstrategien entwickelt und im Rollenspiel erprobt. Das Training soll die Teilnehmenden ermutigen, ihren demokratischen Anspruch kompetent und konsequent zu vertreten.
Dauer: 4 – 6 Stunden Referentinnen: Wiebke Elze, Eva Prausner
Rechtsextreme Symbole und Erscheinungsformen
In der Veranstaltung werden die subkulturellen Erscheinungsformen (Symbole, Musik, Kleidung, Publikationen) und aktuelle Argumentationslinien der neuen Rechten und auch mögliche Gegenargumente vorgestellt. Die Veranstaltung gibt einen Überblick über das Themenfeld und bietet Raum zum Austausch über Erscheinungsformen und Handlungsmöglichkeiten gegen Rechtsextremismus in berufsbildenden Einrichtungen. Das Seminar kann sowohl mit Schülervertretungen und JAV, als auch mit Lehrer/innen, Ausbilder/ innen und päd. Mitarbeiter/innen durchgeführt werden. Aufgrund der Vielfältigkeit der möglichen Themen, wird das Programm in einer Vorbesprechung den Interessen der Teilnehmer/innen angepasst.
Dauer: 3 – 6 Stunden, Referenten: Jan Buschbom, Michael Hammerbacher, Gabriel Landgraf (Exit-Deutschland)
„Homos gibt´s hier nicht!“ Pädagogische Haltungen und Handlungsstrategien im Umgang mit Homophobie im Bereich der beruflichen Bildung
Auch in Einrichtungen der beruflichen Bildung gehören homophobe Einstellungen und homosexuellenfeindliche Äußerungen zum traurigen Alltag.
Wie kann im Unterricht eine allgemeine Atmosphäre der Akzeptanz sexueller Vielfalt gefördert werden? Wie kann homosexuellenfeindlichen Äußerungen effektiv begegnet werden? Bestehen Zusammenhänge von Migrationshintergrund und Homosexuellen-feindlichkeit? Wenn ja, inwieweit verlangen diese nach besonderen pädagogischen Konzepten? Wie können lesbische, schwule oder bisexuelle Schüler/innen unterstützt werden?
Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen steht im Zentrum der Veranstaltung. Die individuellen Erfahrungen der Teilnehmer/innen bilden neben kurzen fachlichen Inputs die Grundlage auf der verschiedene pädagogische Haltungen und konkrete Handlungsoptionen (weiter-) entwickelt werden sollen.
Dauer: 4 - 6 Stunden Referenten: Claudia Sommer (ABqueer e.V.), Ümit Gürkan Buyurucu (GLADT e.V.)
Antisemitismus am Beispiel des Nahostkonflikts: Der Nahostkonflikt in Berlin
Die Bearbeitung des Themas Nahostkonflikt stellt Pädagog/inn/en nicht selten vor große Herausforderungen. Neben der Komplexität scheint in einigen Fällen der persönliche Bezug von Schüler/innen und Auszubilden zu der Thematik eine sachliche Auseinandersetzung zusätzlich zu erschweren. Gleichzeitig beinhaltet die Beschäftigung mit dem Thema aber ein großes Lernpotenzial, das vor allem im Rahmen der politischen Bildung ausgeschöpft werden sollte.
Die Fortbildung wurde von israelischen und palästinensischen Trainer/inn/en konzipiert und möchte Pädagog/inn/en die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch bieten und zu einer Verständigung über mögliche Herangehensweisen anregen. Dazu werden Methoden und Ansätze vorgestellt, mit denen das Thema Nahostkonflikt im Unterricht und an Projekttagen bearbeitet werden kann. Informationen zur Geschichte und aktuellen Situation des Nahostkonflikts runden die Fortbildung ab.
Dauer: 4 - 6 Stunden Referent/innen: Danna Bader, Mohamed Ibrahim, Shemi Shabat
Projekttage
Auseinandersetzung mit muslimfeindlichen Kampagnen und Alltagsrassismus
In den letzten Jahren kann ein Anwachsen muslimfeindlicher Einstellungen und Stimmungen festgestellt werden. Diese finden sich nicht nur in den Wahlprogrammen rechtspopulistischer bzw. rechtsextremer Initiativen und Parteien wieder, sondern scheinen auch in der Mitte der Gesellschaft verbreitet zu sein, wie unter anderem die Zustimmung zu den Thesen Sarrazins zeigt. Es ist davon auszugehen, dass von dieser Debatte auch junge Erwachsene und Lehrer/innen in Einrichtungen der beruflichen Bildung erreicht werden.
Unter Betrachtung von Wahlprogrammen, Medienartikeln und Äußerungen von Einzelpersonen setzen sich die Teilnehmer/innen kritisch mit rechtspopulistischen Argumentationsstrategien auseinander.
Der Projekttag kann mit max. 25 Schüler/innen und Lehrer/inn/en eines Ausbildungsgangs bzw. einer Klasse durchgeführt werden und ist als Ergänzung für die Unterrichtsfächer Deutsch sowie Sozialkunde geeignet.
Das Angebot richtet sich an Einrichtungen, in denen idealerweise bereits eine Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Rassismus stattfindet (z.B. im Schulprogramm, Hausordnung, Schule ohne Rassismus- Schule mit Courage, u.a.).
Dauer des Projekttages: 6 Stunden, Referent/inn/en: Kerstin Meißner , Kofi Ohene-Dokyi
![]() | Osz_gegen_Rechts_Programm_2011_-_2012.pdf Flyer Seminare 2011/2012 | 5.1 M |
















